DGV Tagung 2007

Zwischen Vereinheitlichung und Fragmentierung der Welt? Lokale Medienkulturen und die Konstitution von Wissen und Wissenschaft

Workshop 5 | AG Medien und Öffentlichkeit

Der Vorteil einer ethnologischen Befassung mit Medien liegt darin, dass alle Welt über sie redet. Doch die Diskurse über „die Medien“, die landläufigen wie die akademischen, verwenden dabei einen Plural, der genau genommen keiner ist. „Die Medien“ werden häufig als eine Macht verstanden, amorph und ubiquitär, die auf die Vereinheitlichung der Welt im Zeichen von Kommerz und Kontrolle zustrebt. So oder ähnlich lauten viele Befürchtungen. Seit einigen Jahren versuchen die Medienethnologie und ihr verwandte Nachbardisziplinen, dem so belasteten Begriff der Medien das Konzept der Medienkulturen entgegenzusetzen, das diese Implikationen vermeidet.

Doch was sind Medienkulturen, wie konstituieren und wie verändern sie sich? Und stehen hierbei bestimmte Personen, Gruppen, Technologien, Praktiken oder mediale Routinen im Vordergrund? Ein zentraler Aspekt bei der Erörterung dieser Frage ist die nach dem Wissen, das Medienkulturen akkumulieren, speichern, weitergeben. Medienkulturen als Wissenskulturen zu betrachten, heißt, über all zu eng gefasste Determinismen hinaus ihre Charakteristika in ihren spezifischen kollektiven Wissensbeständen zu suchen.

Die Arbeit in und über Medienkulturen stellt die Medienethnologie und ihr benachbarte Disziplinen vor eine Reihe von neuartigen Forschungsproblemen und Streitfragen, die ihre Forschungspraxis ebenso berühren wie ihre Theoriebildung. Das Thesenpapier des DGV-Vorstands identifiziert u.a. die Debatten um kulturelles Copyright und medial zirkulierende Selbstdarstellungen der von der Ethnologie untersuchten Kulturen, die Veränderung der Untersuchungsgegenstände, die Entstehung neuer Empirieformen, der Verlust von Fremdheitserfahrung und sich massiv verändernde Bedingungen sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung. Wie tiefgreifend sind diese Wandelsprozesse tatsächlich? Was kann die Ethnologie mit ihren klassischen Werkzeugen, mit ihren Begriffen wie Verwandtschaft und Ritual und mit ihren Methoden der Feldforschung, der allgemeinen Wahrnehmung dieser Prozesse als Fragmentierung der Welt entgegensetzen? Wie positioniert sie sich zu ihren Nachbardisziplinen? Und schließlich: wie wichtig ist in all dem noch eine ForscherInnenpersönlichkeit?

Angefragte Gäste:

  • John Postill, Sheffield
  • Ian Dent, Cambridge
  • Filipe Reis, Lissabon

Organisation

Cora Bender; Universität Bremen, Institut für Kulturwissenschaft

Datum, Uhrzeit

Mittwoch, 03.10.2007, und Donnerstag, 04.10.2007, jeweils 14:00-18:00 Uhr

Ort

Melanchthonianum, Hörsaal A

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